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Energielexikon: Abwärme

Kurz erklärt

Abwärme ist Wärme, die bei technischen oder industriellen Prozessen ungewollt als Nebenprodukt entsteht und oft ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Sie fällt zum Beispiel in Form von warmer Luft, heißem Wasser, Dampf oder heißen Abgasen an. 

 

Wobei entsteht Abwärme?

Abwärme entsteht überall dort, wo Energie eingesetzt wird, zum Beispiel bei:

  • Produktionsprozessen in der Industrie
  • Öfen, Trocknungsanlagen und Schmelzprozessen
  • Kompressoren, Motoren und Maschinen
  • Kühl- und Kälteanlagen
  • Rechenzentren  
  • Lüftungs- und Klimaanlagen
  • Abwasser- und Druckluftsystemen 

Vereinfacht gesagt:
Wo Energie eingesetzt wird, entsteht fast immer auch Wärme, die nicht vollständig für den eigentlichen Zweck genutzt wird.

 

Was passiert mit Abwärme normalerweise?

In vielen Betrieben wird Abwärme bisher einfach:

  • über Abluft abgeführt
  • über Kühlsysteme abgegeben
  • über Schornsteine oder Abwasserströme an die Umgebung verloren 

Das bedeutet:
Ein Teil der bezahlten Energie verpufft wirtschaftlich ungenutzt. 

 

Kann man Abwärme nutzen?

Ja – und genau darin liegt ihr großer wirtschaftlicher Wert.

Abwärme kann zum Beispiel genutzt werden für:

  • Beheizung von Gebäuden oder Hallen
  • Warmwasserbereitung  
  • Unterstützung anderer Produktionsprozesse
  • Einspeisung in Wärmenetze
  • Vorerwärmung von Luft, Wasser oder Materialien
  • Kälteerzeugung über thermische Prozesse
  • Stromerzeugung in speziellen Anwendungen (z. B. ORC-Verfahren) 

 

Warum ist Abwärme für Unternehmen interessant?

Weil sie drei Dinge gleichzeitig kann:

  1. Energiekosten senken
    Bereits vorhandene Wärme wird sinnvoll weitergenutzt.
  2. Effizienz steigern
    Der gleiche Energieeinsatz bringt mehr Nutzen.
  3. CO₂-Emissionen reduzieren
    Weniger zusätzliche Energie muss eingekauft oder erzeugt werden. 

 

Wo steht die technologische Entwicklung heute?

Die technologische Entwicklung ist deutlich weiter als noch vor einigen Jahren.

Besonders relevant sind heute:

  • Groß- und Hochtemperatur-Wärmepumpen, um auch niedrigere Abwärmetemperaturen nutzbar zu machen
  • Wärmespeicher, um Abwärme zeitlich flexibler einsetzen zu können
  • digitale Energiemanagementsysteme, die Abwärmeströme sichtbar und steuerbar machen
  • thermodynamische Wandler wie ORC-Systeme zur Stromerzeugung aus Wärme
  • Integration in Wärmenetze und industrielle Gesamtsysteme 

Gerade industrielle Hochtemperatur-Wärmepumpen gelten aktuell als wichtiger Entwicklungsschritt, weil sie Abwärme auf ein nutzbares Temperaturniveau anheben können. Das Fraunhofer-Institut arbeitet dazu bereits mit Industriepartnern an konkreten Anwendungen.

 

Was ist politisch und regulatorisch neu?

In Deutschland ist das Thema inzwischen auch regulatorisch deutlich wichtiger geworden.

Mit der Plattform für Abwärme nach § 17 Energieeffizienzgesetz werden seit 15. Januar 2025 erstmals Daten zu gewerblichen Abwärmepotenzialen öffentlich gemacht. Laut Bundesstelle für Energieeffizienz liegen dort Daten von über 3.000 Unternehmen mit insgesamt rund 170 Terawattstunden Abwärme pro Jahr vor. Das zeigt, wie groß das Potenzial ist. 

 

Merksatz

Abwärme ist keine „Abfallenergie“, sondern oft ein wirtschaftlich nutzbarer Rohstoff, der bisher zu häufig verloren geht.