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Wenn morgen alle Windräder stillstünden

Die Forderung, man könne Windräder einfach niederreißen und damit sei ein Problem gelöst, klingt für manche politisch kraftvoll.

Energetisch, wirtschaftlich und technologisch wäre sie das Gegenteil.

Denn Windenergie ist in Deutschland kein Randphänomen mehr. Sie war 2024 mit 136,0 Milliarden kWh und 31,5 % die wichtigste Energiequelle in der inländischen Stromerzeugung. Auch 2025 blieb sie trotz Rückgang mit 131,3 Milliarden kWh und 30,0 % die größte einzelne Stromquelle. 

1. Ökologisch: Mehr Fossil, mehr Emissionen

Wenn Windenergie morgen ausfiele, müsste diese Strommenge kurzfristig ersetzt werden.

Nicht durch Wunschdenken.
Sondern durch das, was verfügbar ist:

  • fossile Kraftwerke
  • Stromimporte  
  • zusätzliche flexible Reservekapazitäten 

Dass weniger Wind direkt auf den Erneuerbaren-Anteil durchschlägt, zeigen bereits die realen Zahlen: Im 1. Halbjahr 2025 sank der Anteil erneuerbaren Stroms an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland von 65,1 % auf 60,9 %, weil die Windstromerzeugung niedriger war. Solar konnte das nur teilweise ausgleichen. 

Ökologisch wäre der Effekt deshalb klar:
Weniger Wind heißt kurzfristig mehr fossile Erzeugung — und damit mehr CO₂.

2. Wirtschaftlich: Höhere Preise

Auch wirtschaftlich ist die Wirkung gut sichtbar.

Im 1. Halbjahr 2025 stieg der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis von 67,94 €/MWh im 1. Halbjahr 2024 auf 86,64 €/MWh. Fraunhofer nennt die niedrige Windstromerzeugung ausdrücklich als Grund für die hohen Monatswerte im Januar und Februar 2025. 

Das heißt:
Schon ein windschwächeres Halbjahr macht Strom teurer.

Ein kompletter Ausfall der Windenergie würde deshalb nicht nur die Erzeugungsstruktur verändern, sondern den Strommarkt massiv verteuern — für Industrie, Gewerbe und private Verbraucher.

3. Technologisch: Das System würde unter Druck geraten

Ein Ausfall der Windenergie würde nicht automatisch einen sofortigen flächendeckenden Blackout auslösen.

Aber er würde das Stromsystem technologisch massiv unter Druck setzen.

Denn die aktuellen Versorgungssicherheits- und Stromsystemstudien gehen gerade davon aus, dass ein klimaneutrales und bezahlbares Stromsystem auf einem Zusammenspiel aus:

  • Wind und Solar
  • regelbaren Kraftwerken
  • Speichern  
  • Flexibilität  
  • Netzausbau  
  • europäischer Zusammenarbeit 

beruht. Agora Energiewende bezeichnet den weiteren Ausbau von Windenergie und Photovoltaik als zentralen Baustein des klimaneutralen Stromsystems 2035. Gleichzeitig betont die Bundesnetzagentur, dass Verzögerungen beim Ausbau von Wind und PV auch die Versorgungssicherheit beeinflussen. 

Mit anderen Worten:

Wenn Wind wegfällt, braucht man schlagartig mehr von allem, was eigentlich nur ergänzen und absichern soll.

4. Versorgungssicherheit: Mehr Flexibilitätsdruck

Die Bundesnetzagentur und Netzbetreiber betonen immer wieder, dass Versorgungssicherheit in Zukunft stark von Flexibilität, Speichern, steuerbaren Lasten und europäischer Kooperation abhängt. Auch TransnetBW schreibt, dass ein zuverlässiges und bezahlbares Energiesystem entscheidend von Flexibilität abhängt. 

Windkraft einfach herauszunehmen, würde also nicht „vereinfachen“.

Es würde das System härter, teurer und störanfälliger machen.

5. Und noch ein wirtschaftlicher Punkt

Die jüngste Ausschreibung für Wind an Land zeigt außerdem, dass Windkraft nicht nur ökologisch relevant, sondern auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig ist: Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert lag 2026 bei 5,54 ct/kWh — dem niedrigsten Wert seit 2018. 

Wer Windenergie vollständig aus dem System nehmen will, verzichtet also nicht nur auf Strommengen.
Er verzichtet auch auf einen inzwischen vergleichsweise günstigen Ausbaupfad.

Wir sagen dazu:

Wer Windkraft aus dem Energiesystem herausreißen will, reißt nicht nur Anlagen ab.

Er reißt an:

  • Versorgungssicherheit  
  • Preisstabilität  
  • Klimazielen  
  • technologischer Zukunftsfähigkeit 

„Windenergie ist nicht Beiwerk.
Sie ist ein tragender Pfeiler der deutschen Stromversorgung.“